Die Muschelbänke der Flensburger Förde brauchen unsere Unterstützung

TOP 23: Verbot der Wildmuschelfischerei in der Flensburger Förde (Drs. 20/2826(neu))

„Ich bedanke mich bei meinem Kollegen Christian Dirschauer und seiner Fraktion für diese Initiative. Die Muscheln in der Flensburger Förde, aber auch in der gesamten Ostsee, haben eine wichtige ökologische Funktion. Es sind die Muscheln, die das Wasser filtern und somit maßgeblich zur Aufrechterhaltung des Ökosystems beitragen. Ein Quadratmeter Miesmuschelbank kann innerhalb einer Stunde bis zu 140 Liter Wasser filtern – eine wichtige Reinigungsfunktion, dessen Bedeutung sich vielleicht nicht immer allen bewusst sind. Die Miesmuschel und andere Muschelarten fungieren als „Kläranlage“. Man stelle sich einmal vor, was los wäre, wenn unsere Kläranlage nicht oder nur sehr unzureichend funktionieren würden. Darum will ich noch einmal ins Bewusstsein rufen: Der Schutz der Muschelbänke ist kein reines Umweltschützer-Thema. Aber darauf komme ich später noch mal zu sprechen. Der Schutz der Muschelbänke ist essentiell für die Frage, ob die Flensburger Förde als Biosystem zukünftig Bestand hat oder nicht. Umweltexperten sind sich einig: Die Relevanz von Muschelbänken ist elementar, auch und insbesondere in unseren küstennahen Gewässern, unseren Förden, Buchten und Hafenanlagen.

Intakte Muschelbänke sind wichtig für den Fortbestand vieler anderer Ostseebewohner wie Würmer und Krebse, die in und um die Muschelbänke ihren Lebensraum haben.

Doch die Lage ist ernst: Der Sauerstoffgehalt in der Ostsee sinkt dramatisch. Dies wird durch die hohen Düngemitteleinträge aus der Landwirtschaft verstärkt. Und umso verstärkter brauchen wir die wichtigen natürlichen Wasserfilter, unsere Muscheln.

Bereits 2019 konnten Taucher des Unterwasser Teams Flensburg (UWT) dokumentieren, dass sich die Muschelbänke nicht so schnell regenerieren, wie von vielen angenommen. Mit dem Rückgang der Muschelbänke geht auch die Anzahl der Fische zurück, denn diese verlieren so ihre Schutz- und Jagdbereiche. Die Miesmuscheln werden mit stählernen Schleppnetzen vom Boden abgekratzt – so schnell wächst anschließend dort nichts mehr. Die vielfach erhoffte Regeneration tritt nicht sofort ein und scheint sich auf Wunschdenken zu beschränken. Klar ist also, dass die Muschelbänke Zeit benötigen.

Das Verbot der Wildmuschelfischerei in der Flensburger Förde ist von dänischer Seite beschlossene Sache, auch wenn die Umsetzung noch aussteht. Nur ein dauerhaftes Verbot kann zum Schutz des Biosystems in der Flensburger Förde beitragen. Warum sich Minister Schwarz hier so schwer tut, erschließt sich mir nicht. Bisherige Argumente, dass die Muschelfischerei im öffentlichen Interesse sei, da die Nachfrage nach Muscheln als Lebensmittel bestehe, sind für die Nordsee nachvollziehbar, bei der Flensburger Förde aber nicht. Mit dem heutigen Beschluss, Herr Schwarz, haben Sie den klaren Auftrag tätig zu werden.

Hier handelt es sich nicht nur um einen umweltpolitischen Antrag. Es geht auch um den Tourismus, eine gute Wasserqualität in der Ostsee, in den Förden sind die Grundlage für einen erfolgreichen Tourismus. Ein Verbot der Wildmiesmuschelfischerei in der Flensburger Förde, auf deutscher Seite, ist doch auch kein wirtschaftlicher Einbruch. Seit Jahren wird dort faktisch nicht mehr gewerblich nach Muscheln gefischt. Auch deshalb ist das Verbot vertretbar. Die Befürchtung, dass ein Verbot die Diskussion um die Muschelzucht in der Nordsee u. a. vor Hörnum wieder aufleben lässt, ist unbegründet. Ich finde man darf Gewässer und Schutzinteressen nicht gegeneinander ausspielen. Für die Nordsee gibt es den sogenannten Muschelfrieden, ein Programm zur Bewirtschaftung der Muschel Ressourcen. Das steht nicht zur Disposition.

Schleswig-Holstein muss gegenüber Dänemark endlich nachziehen und den Schutz der ökologisch unverzichtbaren Lebensräume der Muschelbänke in der Flensburger Förde sicherstellen. Die Zerstörung der Muschelbänke mit Grundschleppnetzen muss der Vergangenheit angehören!”

Team Thomas

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